„Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit“ (Kierkegaard)

Mein Essay handelt über das Zitat Kierkegaards „Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit“. Zu Beginn möchte ich kurz auf Kierkegaard eingehen. Søren Aabye Kierkegaard, geboren am 15. Mai 1813 in Kopenhagen, war ein dänischer Philosoph, Essayist, Theologe und religiöser Schriftsteller. Seine Werke lassen sich grob in dichterisch-philosophische und religiöse Schriften unterteilen. Viele seiner Werke wurden unter Pseudonymen verfasst. Diese Pseudonyme dienten nicht zur Verschleierung seiner Identität, sondern vielmehr um eine gewisse Distanz zu seinen Werken auszudrücken, da diese nicht immer seine eigenen Ansichten wiederspiegelten. Außerdem hat er sehr umfangreiche Tagebuchaufzeichnungen verfasst. Gestorben ist Kierkegaard am 11. November 1855, ebenfalls in Kopenhagen. Meiner Meinung nach ist Kierkegaard ein großer Vetreter der Persönlichkeitsentwicklung, auch wenn er sich nie so beschrieben, geschweige denn, Persönlichkeitsentwicklung überhaupt erwähnt hat.

Ich habe dieses Zitat gewählt, da es einen großen Teil meiner Vergangenheit wiederspiegelt. Früher habe ich mich beinahe ständig mit anderen Menschen verglichen. Seien es die Noten in der Schule, das Aussehen, der Besitz oder die Persönlichkeit der Anderen. Doch durch dieses ewige Vergleichen mit anderen Menschen kann man einfach nicht glücklich werden. Man wird immer etwas finden, dass der Andere hat, was man selber nicht hat. Warum vergleichen wir uns denn nun immer mit Anderen? Werfen wir doch mal einen Blick in die Vergangenheit. Besser gesagt in die Steinzeit. In der damaligen Zeit bekam der Alpha-Mann die schönste Frau im Stamm. Doch wie konnte man herausfinden, wer der Alpha-Mann war? Genau, man musste sich mit anderen vergleichen. Der Alpha-Mann war der stärkste, mutigste, wahrscheinlich sogar bestaussehendste und größte Mann im Stamm. Das Problem ist, dass viele immer noch denken, dass einige dieser Werte und Normen noch heute gelten. Doch dem ist nicht so. Jetzt gibt es die sogenannten „Beliebten“. Die Gesellschaft denkt, dass sie die „Beliebten“ auswählt. In Wirklichkeit wählen die „Beliebten“ sich aber selber aus. Und wie? In dem sie sich nicht mit Anderen vergleichen. In der Steinzeit ist man mit diesem Vergleichen weit gekommen. Doch heute kommt man viel weiter, wenn man sich nicht mit Anderen vergleicht.

Das Nicht-Vergleichen mit Anderen hat aber noch einen anderen Vorteil. Es führt zu Glück. Als ich anfing mich nicht mehr mit anderen zu vergleichen, fühlte ich mich sofort besser. Man geht viel freier durch das Leben. Außerdem fängt man an, sich auf sich selbst zu konzentrieren. Man wird sich seiner selbst viel bewusster. Es fallen einem Stärken an einem auf, die man früher nie bemerkt hat. Das Vergleichen mit Anderen führt nur dazu, dass man sich nur auf die Stärken Anderer konzentriert und nur auf die eigenen Schwächen. So gesehen hat das Vergleichen mit Anderen einen Vorteil: Man ist sich seiner Schwächen sehr bewusst. Doch wer will schon ein Leben, in dem man nur weiß, was man nicht kann. Aber genau so geht es vielen Menschen. Wenn man sich einmal Gedanken machen würde, was für Schwächen und Stärken man hat, dann fallen einem auf Anhieb mehr Schwächen ein. Natürlich ist es gut, sich seiner Schwächen bewusst zu sein. Doch sich nur über seine Schwächen im Klaren zu sein, kann auf Dauer auf keinen Fall glücklich machen. Ich würde sogar so weit gehen, dass wenn man sich nur mit Anderen vergleicht, und sich somit nur auf seine Schwächen konzentriert, man auch anfängt, sich nur auf die negativen Dinge im Leben zu konzentrieren. Ich glaube, keiner kann behaupten, dass man so glücklich werden kann. Über die Stärken und Schwächen einer Person habe ich übrigens auch schon einmal einen Beitrag verfasst.

Wir Menschen fühlen uns immer im Wettbewerb mit unseren Mitmenschen. Wir müssen immer besser als alle anderen sein. Warum fangen wir nicht an, die beste Version von uns selbst zu sein, anstatt immer der Beste von Allen sein zu wollen? Die Welt würde nicht funktionieren, wenn jeder Besser als alle anderen wäre. Wir sollten uns auf unsere Stärken konzentrieren und versuchen, darin die Beste Version von uns selbst zu sein. Es wird immer Menschen geben, die etwas besser können als man selbst. Dafür können wir bestimmte Dinge besser als andere. Man stelle sich vor Usain Bolt hätte versucht, der beste Bäcker zu werden. Wahrscheinlich hätte er dies nicht geschafft. Usain Bolt hat sich ganz einfach auf seine größte Stärke konzentriert (Sprinten) und hat versucht, darin die beste Version von sich selbst zu werden. Glücklicherweise ist er sogar der Allerbeste darin geworden. Oder man stelle sich vor, Steve Jobs hätte versucht, der beste Sprinter der Welt zu werden. Auch hier kann man sich wohl sicher sein, dass er das nicht geschafft hätte. Stattdessen hat auch er sich auf seine Stärken konzentriert und hat mit seinen Stärken im Programmieren eines der größten Technologieunternehmen der Welt aufgebaut. Auch er hat damit angefangen, zu versuchen, die beste Version von sich selbst zu werden. Man kann sich wohl kaum vorstellen, dass Menschen wie Usain Bolt oder Steve Jobs sich mit anderen Menschen vergleichen. Viel glaubwürdiger ist es, dass diese sich auf sich selbst und ihre Stärken konzentrieren.

Wir Menschen könnten so viel erreichen, wenn wir uns weniger mit Anderen vergleichen würden. Wir wären viel glücklicher, würden wir uns mehr auf uns selbst konzentrieren. Doch man muss aufpassen. Zu viel Fokus auf sich selbst kann dazu führen, dass man nur noch eingebildet durch die Welt läuft. Die Meinung anderer ist wichtig. Wir sollten sie schätzen, ihr aber nicht zu viel Wert beimessen. Sie kann uns zum Erfolg verhelfen, ihn aber auch zu Nichte machen. Wenn wir von etwas zu 100% überzeugt sind, dann sollten wir es auch tun und uns von Nichts abbringen lassen. Wenn wir aber mal Rat brauchen, kann die Meinung einer anderen Person uns aber auch helfen. Doch ob wir auf die Meinung bzw. den Rat einer Person hören, ist immer noch unsere Sache. Diejenigen, die sich nur mit Anderen vergleichen, haben wahrscheinlich auch nur selten eine eigene Meinung und lassen sich somit auch sehr schnell von Anderen beeinflussen. Doch eine eigene Meinung zu haben und diese frei aussprechen zu können, ist ein Recht, dass leider immer noch nicht überall auf der Welt selbstverständlich ist. Deshalb sollten wir umso mehr davon Gebrauch machen. Wofür haben unsere Vorfahren sich dieses Recht sonst mühevoll erkämpft?

Worin spiegelt sich nun diese Unzufriedenheit wieder, von der Kierkegaard spricht? Sie spiegelt sich in Neid und Eifersucht wieder. Im Alltag sprechen wir oft von Neid und Eifersucht, als sei es dasselbe. Dies ist es jedoch nicht. Neid ist eine

Empfindung bzw. Haltung, bei der jemand einem anderen dessen Besitz oder Erfolg nicht gönnt und selbst haben möchte (Quelle: Duden)

Neid wird dadurch verursacht, dass man sich anderen unterlegen fühlt. Mangelndes Selbstvertrauen ist eine häufige Ursache für Neid. In der Konsequenz versucht der Neidische, die beneidete Person zu sich auf seine Stufe herunterzuziehen anstatt sich anzustrengen und auf die Stufe des Beneideten zu gelangen. In der Praxis führt dies dazu, dass die Beneideten durch üble und falsche Nachreden herabgewürdigt werden. Besser wäre es, wenn der Neidische selbst versuchen würde, sich zu verbessern.

Eifersucht ist die

starke, übersteigerte Furcht, jemandes Liebe oder einen Vorteil mit einem anderen teilen zu müssen oder an einen anderen zu verlieren. (Quelle: Duden)

Häufig wird Eifersucht durch Selbstzweifel und persönliche Ängste ausgelöst. Letztendlich zerstört Eifersucht nur das eigene Glück. Besser wäre es, sich auf seine eigene Stärken zu konzentrieren und so die Ursachen für Eifersucht zu beseitigen.

Kierkegaard spricht von einem Beginn der Unzufriedenheit. Aber ist Unzufriedenheit denn so schlecht? Ist es nicht gerade die Tatsache, dass wir unzufrieden sind, die uns Antreibt im Leben? Verhilft uns Unzufriedenheit nicht zu unseren Erfolgen? Wenn wir alle mit unserem Leben zufrieden wären, würden wir uns dann nicht einfach nur darauf ausruhen? Ich glaube, dass Unzufriedenheit sogar etwas Gutes ist. Wir sollten dankbar für unser Leben sein, aber nicht zufrieden damit.

Dies würde jedoch bedeuten, dass der Vergleich mit anderen etwas Gutes ist. Das ist er gewiss nicht. Vielleicht stürzt der Vergleich mit anderen uns aber nicht in eine Unzufriedenheit, sondern viel mehr in eine Art Leere. Eine Leere, die uns glauben lässt, wir könnten nie das erreichen, was wir erreichen wollen. Das ist keine Unzufriedenheit mehr. Das sind schon wahre Depressionen.

Ich weiß nicht, ob man sein ganzes Leben glücklich sein kann. Es gibt immer Momente wo wir uns schlecht fühlen und nicht mehr weiterwissen. Doch sollten wir aufhören uns auf andere zu konzentrieren. Irgendwann liegen wir im Sterben und bereuen, dass wir uns für andere Menschen, die wir nicht einmal gerne hatten, verbogen haben, nur um diese glücklich zu machen.